Mittelalterliche Sühnekreuze in der Gemarkung „Im Haag“
Steinerne Zeugen von Schuld und Sühne in der Landschaft bei Dreieich
Mittelalterliche Sühnekreuze in Dreieich erinnern an eine Zeit, in der Rechtsprechung und religiöse Vorstellungen eng miteinander verknüpft waren. In der Gemarkung „Im Haag“ stehen noch zwei dieser eindrucksvollen Sandsteinkreuze, die als steinerne Zeugen vergangener Kapitalverbrechen gelten und bis heute eine geheimnisvolle Atmosphäre ausstrahlen.
Steinerne Zeugen mittelalterlicher Rechtspraxis
Hintergrund und Bedeutung der Sühnekreuze
Sühnekreuze tauchten vor allem im Hochmittelalter in vielen Regionen Mitteleuropas auf. Sie wurden in der Regel im Zusammenhang mit schweren Gewalttaten wie Mord oder Totschlag errichtet. Der Täter verpflichtete sich im Rahmen eines Sühnevertrages gegenüber den Hinterbliebenen des Opfers zu verschiedenen Leistungen, zu denen neben Geld- oder Sachleistungen häufig auch das Aufstellen eines Kreuzes an oder nahe dem Tatort gehörte. Die Kreuze galten als sichtbares Zeichen der Sühne und sollten zugleich an das Geschehen erinnern.
Die Kreuze in der Gemarkung „Im Haag“
Die beiden Sandsteinkreuze in der Dreieichenhainer Gemarkung „Im Haag“ stehen etwas abseits an einem Weg und fügen sich unscheinbar in die Landschaft ein. Ihre genaue Entstehungszeit und der konkrete Anlass sind nicht überliefert, doch ihre Form und Materialität weisen sie als typische mittelalterliche Sühnekreuze aus. Wie bei vielen dieser Denkmäler fehlen eindeutige Inschriften oder Symbole, die auf Tat, Täter oder Opfer schließen lassen. Gerade diese Unbestimmtheit trägt dazu bei, dass die Kreuze bis heute von einem Hauch des Geheimnisvollen umgeben sind.
Vom religiösen Brauch zum Kulturdenkmal
Mit der Reformation und der Entwicklung einer stärker staatlich geprägten Strafgerichtsbarkeit verlor der Brauch der Sühneverträge an Bedeutung, und neue Sühnekreuze wurden kaum noch errichtet. Viele bestehende Kreuze gingen im Laufe der Jahrhunderte durch Umnutzungen der Flächen, Baumaßnahmen oder einfache Zerstörung verloren. Die erhaltenen Exemplare, wie die Sühnekreuze in Dreieich, stehen heute unter Denkmalschutz und werden als seltene Rechtsdenkmäler von geschichtlicher Bedeutung betrachtet. Ein Besuch vor Ort bietet die Möglichkeit, sich der historischen Dimension von Schuld, Sühne und Erinnerung bewusst zu werden und zugleich die ruhige Landschaft rund um Dreieich zu erleben.