Gnade Gottes – ehemaliges Bergwerk in Oberursel
Ehemaliges Braunkohlebergwerk in der Feldflur von Oberursel-Bommersheim
Kohlebergbau ist ein Thema, das man im Vordertaunus kaum vermuten würde. Dennoch wurde im Oberurseler Stadtteil Bommersheim im ehemaligen Bergwerk „Gnade Gottes“ Braunkohle abgebaut. Heute erinnert vor Ort eine Stele an die Geschichte des Bergwerks und macht deutlich, wie eng Landwirtschaft, Rohstoffgewinnung und Landschaftsentwicklung hier miteinander verbunden sind.
Historischer Braunkohleabbau im Vordertaunus
Schächte, Stollen und das „schwarze Gold“
Im 19. Jahrhundert wurden im Feld „Gnade Gottes“ bis zu 30 Meter tiefe Schächte in den Untergrund getrieben. Über rund zehn Jahre hinweg förderten Bergleute Braunkohle, die damals als „schwarzes Gold“ galt. Die Grubenfelder erstreckten sich über eine Fläche von etwa 22.000 Quadratmetern, in Spitzenzeiten arbeiteten bis zu 40 Kumpel unter Tage. Der Abbau war körperlich hart und von Unsicherheiten geprägt, denn die geologischen Bedingungen im wasserreichen Vordertaunus erschwerten die Arbeit erheblich.
Zweiter Versuch und endgültiges Ende des Bergwerks
In den 1920er Jahren wurde ein zweiter Anlauf unternommen, die Braunkohlevorkommen wirtschaftlich zu nutzen. Trotz modernerer Technik blieb der Ertrag jedoch hinter den Erwartungen zurück. Gleichzeitig machte sich der hohe Grundwasserandrang bemerkbar, der die Schächte immer wieder flutete. In Kombination mit der schwierigen Kohlequalität und den Risiken der Arbeit unter Tage führte dies dazu, dass der Abbau nach wenigen Jahren endgültig eingestellt wurde. Die Stollen wurden verfüllt, die technischen Anlagen verschwanden, und die Fläche ging in landwirtschaftliche Nutzung über.
Heutige Situation und Lage im Regionalpark
Heute ist vom ehemaligen Bergwerk „Gnade Gottes“ im Gelände nur noch wenig sichtbar. Die Lage des früheren Grubenfeldes zwischen der Autobahn A661 und der Verlängerung des Peter-Meister-Wegs ist durch eine Stele markiert. Umgeben von Feldern und mit Blick auf die Frankfurter Skyline liegt der Ort an der Regionalpark Rundroute und verbindet Industriekultur, Landschaftserlebnis und regionale Geschichte. Besucherinnen und Besucher können hier einen Eindruck davon gewinnen, wie eng die Entwicklung des Vordertaunus mit der Nutzung seiner natürlichen Ressourcen verknüpft war.