Goethes Erbe im Ginkgo-Hain
Ein Haus für die Poesie
Auf einem künstlich aufgeschütteten Hügel bei Flörsheim-Weilbach steht das „Haus des Dichters“ – eines der poetischsten Landschaftskunstwerke im Regionalpark RheinMain. Das offene Bauwerk aus Stein und Metall ist eine Hommage an Johann Wolfgang von Goethe und die Dichtkunst. Eine kreuzförmige Mauer trägt ein elf Meter breites Dach, gekrönt von einer metallenen Feder als Wetterfahne – Symbol für die Leichtigkeit und Flüchtigkeit der Poesie.
Ein Ort zwischen Kunst und Landschaft
Der Hügel entstand aus der Verfüllung einer ehemaligen Kiesgrube – ein Sinnbild für Wandel und schöpferische Erneuerung. Rund um das Bauwerk wurde ein Hain aus Ginkgobäumen gepflanzt, inspiriert von Goethes Gedicht aus dem „West-östlichen Diwan“. Das zweigeteilte Ginkgoblatt steht dort wie hier für Freundschaft und Einheit. Goethe bereiste 1814 das Rhein-Main-Gebiet, dessen Eindrücke in diesen Gedichtzyklus einflossen.
Poesie im öffentlichen Raum
An den steinernen Innenwänden des Hauses sind Metallplatten mit Gedichten und Gedanken befestigt. Sie laden dazu ein, Verse zu entdecken und die Atmosphäre des Ortes auf sich wirken zu lassen. Von der rund zwölf Meter hohen Erhebung eröffnet sich ein weiter Blick über das Mainvorland und die umgebende Landschaft.
Ein Symbol für Wandel und Inspiration
Der Ginkgohain, gepflegt durch Schafbeweidung, schafft wertvolle Lebensräume für seltene Tier- und Pflanzenarten. Das „Haus des Dichters“ verbindet Kunst, Literatur, Natur und Naherholung auf beispielhafte Weise. Es ist ein Ort, der dazu einlädt, über die Beziehung von Mensch, Sprache und Natur nachzudenken – ein poetischer Aussichtspunkt entlang der Regionalpark-Rundroute.
Ginkgo biloba
Dieses Baum´s Blatt, der von Osten
Meinem Garten anvertraut,
Giebt geheimen Sinn zu kosten,
Wie´s den Wissenden erbaut.Ist es Ein lebendig Wesen?
Das sich in sich selbst getrennt,
Sind es zwey? die sich erlesen,
Daß man sie als eines kennt.Solche Frage zu erwiedern
Johann Wolfgang von Goethe
Fand ich wohl den rechten Sinn;
Fühlst du nicht an meinen Liedern
Daß ich Eins und doppelt bin?